Freitag, 05. Juni 2026
„(D)ein Gesicht für den Unsichtbaren“ – Fronleichnam in St. Ludwig
Fronleichnam lebt von einer Überzeugung, die zugleich einfach und tief ist: Gott ist da. Nicht fern. Nicht verborgen hinter den Wolken. Nicht nur eine Idee oder Erinnerung. Er ist gegenwärtig.
Unter dem Leitwort „(D)ein Gesicht für den Unsichtbaren“ feierte die Pfarrei St. Ludwig dieses große Fest des Glaubens. Zahlreiche Gläubige aus allen Gemeinden der Pfarrei kamen zusammen, um gemeinsam Eucharistie zu feiern, miteinander unterwegs zu sein und sichtbar zu machen, was Christen seit Jahrhunderten glauben: Christus geht mit seinem Volk.
Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand die Verehrung Christi in der Eucharistie. Im eucharistischen Brot, das in der Monstranz durch die Straßen getragen wurde, feiern wir seine bleibende Gegenwart unter uns. Fronleichnam erinnert daran, dass Gott sich nicht zurückgezogen hat, sondern mitten in unserer Welt gegenwärtig bleibt.
Die Predigt weitete diesen Gedanken noch einmal. Denn Gottes Gegenwart erschöpft sich nicht im Blick auf die Monstranz. Der Unsichtbare sucht auch heute Gesichter, durch die seine Liebe sichtbar werden kann. Er zeigt sich dort, wo Menschen einander ansehen statt übersehen, wo sie zuhören statt urteilen, wo sie trösten, helfen, ermutigen und Hoffnung schenken. In unseren Gesichtern, in unserem Blick, in unserem Ton und in unserem Handeln kann etwas von Gottes Nähe aufscheinen.
Diesen Gedanken griff auch das Gebetsbildchen auf, das die Mitfeiernden erhielten. Es zeigte das Gesicht Jesu, das sich aus vielen einzelnen Gesichtern von Menschen zusammensetzte. Ein eindrucksvolles Bild für das Geheimnis von Kirche: Keiner allein macht Gott sichtbar. Erst die Vielfalt der Menschen, ihre Geschichten, ihre Begabungen und ihr Miteinander lassen etwas von seinem Gesicht erahnen. Aus vielen Gesichtern wird ein Gesicht. Aus vielen Menschen wird eine Gemeinschaft.
Die anschließende Prozession durch den Kurpark führte diesen Gedanken weiter. Betend und singend machten sich die Gläubigen auf den Weg. An den Stationen wurde das Thema aufgegriffen und vertieft. Die Prozession wurde so zu einem sichtbaren Zeichen dafür, dass Glaube nicht hinter Kirchenmauern bleibt, sondern hinausgeht in die Welt und mitten im Leben seinen Platz hat.
Besonders erfreulich war die große Zahl der Messdienerinnen und Messdiener aus den verschiedenen Gemeinden unserer Pfarrei. Sie prägten den Gottesdienst und die Prozession mit ihrem engagierten Dienst und machten zugleich sichtbar, dass auch eine neue Generation Kirche mitgestaltet. Nach den Feierlichkeiten kamen sie noch zu einem gemeinsamen Waffelbacken zusammen. Aus dem Dienst am Altar wurde Gemeinschaft über den Kirchenraum hinaus. Aus vielen Einzelnen wurde ein Miteinander. Auch das war ein schönes Bild für das, was an diesem Tag gefeiert wurde.
Den Abschluss der Prozession bildeten die Schlussandacht in der Kirche und das anschließende Beisammensein. Viele nutzten die Gelegenheit zu Begegnungen, Gesprächen und gemeinsamen Stunden.
So bleibt die Erinnerung an ein Fronleichnamsfest, das weit mehr war als eine schöne Tradition. Es war ein Tag, der daran erinnerte, dass Gott mitten unter uns wohnt. Im Brot. Im Gebet. In der Gemeinschaft. Und immer wieder auch in den Gesichtern der Menschen, die füreinander da sind. Viele haben dazu beigetragen, dass dieses Fest gelingen konnte. Ihnen allen gilt ein herzlicher Dank.
Am Ende dieses Tages durfte man dankbar auf ein lebendiges Fest des Glaubens zurückblicken – und vielleicht mit der leisen Ahnung nach Hause gehen, dass der Unsichtbare uns näher ist, als wir oft glauben. Denn manchmal trägt er ganz einfach das Gesicht eines Menschen.
